AUNO DOMO - Autonome Dorfmobilität

Mobil ohne Auto? Das ist auf dem Lande häufig sehr schwierig, vor allem dort, wo Busse und Bahnen allzu spärlich fahren. Dabei ist klar: Gute Mobilitätsangebote sind ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit von Dörfern. Das Projekt AUNO DOMO will Abhilfe schaffen, indem ausgewählte Dörfer im Landkreis Wolfenbüttel individuelle Lösungen entwickeln und praktisch ausprobieren - mit professioneller Unterstützung durch merkWATT.

Aktueller Stand in den Dorfregionen

Alle am AUNO DOMO-Projekt teilnehmenden Dörfer befinden sich derzeit in der Umsetzungsphase, der seit Dezember 2017 entwickelten Konzepte für neue modulare Mobilitätssysteme. Mittlerweile haben sich die ursprünglich acht teilnehmenden Dörfer ausgeweitet und in drei Dorfregionen mit aktuell 15 Dörfern organisiert:

  • AUNO DOMO Burgdorf - mit den Dörfern Berel, Burgdorf, Hohenassel, Nordassel und Westerlinde
  • AUNO DOMO Elmrand - mit den Dörfern Erkerode, Evessen, Gilzum, Hachum, Lucklum, Veltheim und Klein-Veltheim
  • AUNO DOMO Oderwald - mit den Dörfern Leinde, Cramme und seit kurzem auch mit Flöthe

Im Folgenden erhalten Sie einen kurzen Überblick zum Stand der Dinge und über die geplanten Aktivitäten in den Dörfern:

AUNO DOMO Burgdorf (mit den Dörfern Berel, Burgdorf, Hohenassel, Nordassel und Westerlinde):

Die Dörfer der Gemeinde Burgdorf arbeiten als Dorfverbund zusammen. In verschiedenen Arbeitsgruppen wurde ein umfassendes Mobilitätssystem erarbeitet - mit den Bausteinen Mitfahr-System, Fahrradverleih und Burg-Dorf-Bus. Im Juni 2018 wurde als Träger des neuen Mobilitätssystems der Verein Burgdorf mobil e.V. (kurz BUMO) gegründet.

Aktuell werden die ersten Mitfahr-Punkte mit Sitzbänken ausgestattet. Sobald die notwendigen Investitionsmittel eingeworben werden konnten, sollen auch Richtungsanzeiger für die Mitfahr-Punkte und Spezialfahrräder für den Fahrradverleih beschafft werden.

Auch für den Burg-Dorf-Bus wird kräftig weitergearbeitet.

Außerdem steht das Thema Marketing ganz oben auf der Aufgabenliste. Ein neuer Internetauftritt von Burgdorf mobil steht als Informationsquelle unter www.burgdorf-mobil.info bereits zur Verfügung.

AUNO DOMO Elmrand (mit den Dörfern Erkerode, Evessen, Gilzum, Hachum, Lucklum, Veltheim und Klein Veltheim):

Die beiden AUNO DOMO-Bewerberdörfer Evessen und Veltheim haben sich dazu entschlossen, als "AUNO DOMO Elmrand" gemeinsam mit den weiteren fünf Dörfern der Gemeinden Evessen, Veltheim und Erkerode für eine verbesserte Mobilität in ihren Dorfregionen zu arbeiten.

So wurde in 2018 ein umfassendes Mobilitätssystem mit den Bausteinen Teilfahrzeuge-System, Mitfahr-Punkte, Nachbarschaftsfahrdienst, Mobilitäts-App und die Mitnahme von Fahrrädern im ÖPNV entwickelt. Im April 2018 wurde der dörferübergreifende Trägerverein Elm mobil e.V. (ELMO) gegründet. Die Umsetzung der einzelnen Bausteine dieses Mobilitätssystems erfolgt Schritt für Schritt. Zunächst ist das nachbarschaftliche Autoteilen des Teilfahrzeuge-Systems gestartet und einen Nachbarschaftsfahrdienst gibt es auch schon.

AUNO DOMO Oderwald:

In der öffentlichen Veranstaltung am 5. Juni 2018 entschlossen sich die Leinder gemeinsam mit dem benachbarten Dorf Cramme nachhaltige Mobilitätsprojekte voranzubringen. Dafür ist vorgesehen, ein Mitfahr-System bestehend aus Mitfahr-Punkten, einer Mobilitäts-App und einem Nachbarschaftsfahrdienst aufzubauen. Mit Blick in die Zukunft ist eine Ausdehnung auf Flöthe und sogar über den Oderwald hinweg denkbar, so dass sich die Dorfregion jetzt AUNO DOMO Oderwald nennt.

Der Nachbarschaftsfahrdienst ist gestartet und wird in Kürze intensiv beworben.

Wie auch in den Dorfregionen Burgdorf und Elmrand fehlen für die Errichtung der Mitfahr-Punkte wie geplant die finanziellen Mittel. Damit es endlich losgehen kann, wird jetzt eine vereinfachte Lösung verfolgt. Ziel ist es, im September öffentlich zu starten. 

AUNO DOMO - Mobilitätsbausteine

In den AUNO DOMO-Dörfern wurden jeweils individuell zugeschnittene Mobilitätssysteme entwickelt. So ist eine Bandbreite an Modulen entstanden, die zukünftig die Mobilität in den Orten verbessern sollen:

Mitfahr-System

Das Mitfahr-System ist ein niedrigschwelliges Angebot für Mitnehm- und Mitbringverkehre zu nahen Zielen, wie Nachbardörfern oder ÖPNV-/SPNV-Verknüpfungspunkten. Es besteht aus den Komponenten Mitfahr-Punkte, Mobilitäts-App und Nachbarschaftsfahrdienst. Mitfahr-Punkte sind ausgestattet mit einer Bank, einem Richtungsanzeiger und einer Infotafel und ermöglichen spontane Mitfahrten ohne App.

Teilfahrzeuge-System

Das Teilfahrzeuge-System besteht aus dem Teilauto-System mit Pkw und Anhängern (vorwiegend aus privatem Bestand) und einem Fahrrad-Verleih von Pedelecs, Faltfahrrädern und Lastenrädern. Das nachbarschaftliche Autoteilen startete bereits im Sommer 2018 und läuft sehr erfolgreich. Sukzessive werden weitere Fahrzeuge und Entleiher in das System aufgenommen.

Dorfbusse

Dorfbusse sind öffentliche, flächenbezogene Kleinbusse, die ohne Gewinnerzielungsabsicht fahren. Stattdessen dienen sie dem Gemeinwohl. Dorfbusse unterscheiden sich von Bürgerbussen durch die vielfältige und flexible Weise ihrer Nutzung, die zu einer besonders intensviven Auslastung führen soll:

 

  • In den Stoßzeiten fahren die Dorfbusse als Teil des ÖPNV, verbinden benachbarte Dörfer, bedienen Nahversorgungsziele und binden an wichtige Verknüpfungspunkte an (z. B. Bahnhaltepunkte). Sie bieten Verlässlichkeit im Hinblick auf Ziele und Zeiten – dazu werden sie von einem professionellen Beförderungsunternehmen betrieben.
  • In den anderen Zeiten stehen die Busse für „Sondereinsätze“ zur Verfügung, für die sie gezielt in Anspruch genommen werden können. Die Inanspruchnahme kann regelmäßig stattfinden (z. B. Beförderung von Kindern zum Konfirmandenunterricht oder „Ausflüge“ zu Wochenmärkten mit Aufenthalt vor Ort), sie kann aber auch einzelfallbezogen sein (z. B. Ausflugsfahrt für eine Geburtstagsgesellschaft oder zu einer Kulturveranstaltung). Diese Form der Nutzung setzt voraus, dass – aus einem aufgebauten Pool – ehrenamtliche Fahrer zur Verfügung stehen.
  • Letztlich können die Busse auch als „Teilautos“ gebucht und selbst gefahren werden – möglicherweise integriert in einem größeren Pool von unterschiedlichen „Teilfahrzeugen“.

Falträder in Bussen und Bahnen

Für die „erste und letzte Meile“ bei der Nutzung von ÖPNV und SPNV, können diese gefaltet kostenfrei in Bussen und Bahnen mitgenommen werden. Die Falträder werden zunächst zum Testen auf persönliche Alltagstauglichkeit zur Verfügung gestellt, können dann ggf. auch in einem Verleih-/Teil-Pool aufgenommen werden.

 

Von allen Beteiligten wird die Notwendigkeit gesehen, digitale Instrumente als Informations- und Buchungssysteme einzusetzen. Insbesondere für die Nutzung der Mitfahrbänke soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich über eine App als Fahrer wie als Mitfahrer registrieren zu lassen (und damit auch zu einer erhöhten Sicherheit beizutragen), um sich für gemeinsame Fahrten verabreden zu können. In Kooperation mit dem Forschungsvorhaben NEMo der Uni Oldenburg ist daher geplant, die derzeit in Entwicklung befindliche Mobilitäts-App "Fahrkreis" ab Herbst 2018 in den AUNO DOMO-Dörfern zu testen.

Projektrahmen

Ziel

AUNO DOMO verfolgt das Ziel, in Dörfern eine dauerhafte „Mobilität für alle“ aufzubauen. Dazu sollen öffentliche Verkehre mit einem privaten, dorfgemeinschaftlichen Teil-, Mitnehm- und Mitbringsystem kombiniert werden. Genutzt werden dafür bereits vorhandene, jedoch un- oder untergenutzte Fahrzeug-, Beförderungs- und Transportkapazitäten aus öffentlichem, halb öffentlichem wie auch privatem Eigentum – ganz nach dem Prinzip des „Ressourcen-Sharings“.

Nutzen

Der Nutzen für die Region ist das Vorhandensein einer ressourcenschonenden Mobilität für alle in den beteiligten Dörfern mit der Wirkung von reduziertem Kosten und Aufwänden für Mobilität bei gleichzeitigen sozialen Vorteilen. Außerdem entsteht die Möglichkeit, nach den Erfahrungen im Projekt ähnliche Systeme in weiteren Dörfern deutlich aufwandsärmer und mit reduziertem Risiko des Scheiterns aufzubauen.

In den AUNO DOMO-Dörfern entsteht Nutzen je nach Entwicklung im Einzelfall vor allem durch

  • dauerhafte zusätzliche Mobilitätsangebote durch bessere Nutzung der ohnehin stattfindenden Verkehre ("Mitbringkultur", "Mitnehmkultur", "Kultur des Teilens")
  • neue Formen von Mobilitätsangeboten im Grenzbereich zwischen ÖPNV und privaten Verkehren
  • niedrigere Mobilitätskosten
  • stärkeren Zusammenhalt in der Gemeinschaft
  • soziale Sicherheit durch ortsspezifische Systeme direkt im Wohnort
  • größere Rechtssicherheit für alle Beteiligten durch organisatorischen Rahmen (z. B. Versicherungen)
  • neue technische Möglichkeiten für Kommunikation (z. B. Apps für Information, Absprachen, ...)
  • Gewinn an Lebensqualität vor Ort (weniger Verkehrslärm und Gefahren)
  • Attraktivitätssteigerung der Dörfer für potenzielle Neubürger

Ablauf

Das geförderte Projekt AUNO DOMO wird beispielhaft in drei Dorfregionen des Landkreises Wolfenbüttel durchgeführt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung ist, dass es vor Ort interessierte Akteure und einen grundlegenden gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt. Um geeignete Teilnehmer zu finden, wurde ein Wettbewerb durchgeführt. Daran schloss sich eine etwa halbjährige Planungsphase an, in der die Dorfregionen in einem von merkWATT fachlich wie kommunikativ unterstützten Prozess für die jeweiligen Dörfer geeignete Mobilitätsstrukturen entwickelten. Diese Maßnahmen werden nun sukzessive – ebenfalls von merkWATT begleitet – umgesetzt. Danach soll eine Evaluation und Konsolidierung erfolgen. Insgesamt läuft das Projekt über drei Jahre bis Ende 2019.

Ablauf des Bewerbungsverfahren
  1. Bewerbungsphase:

Die Bewerbungsphase ist seit Anfang November 2017 abgeschlossen. Alle acht Bewerber - die Dörfer Berel, Burgdorf, Evessen, Hohenassel, Leinde, Nordassel, Veltheim (Ohe) und Westerlinde - traten in die Planungsphase ein.

  1. Planungsphase:

Die AUNO DOMO-Akteure erarbeiteten gemeinsam – mit professioneller Unterstützung durch merkWATT – konkrete Ideen für ihr eigenes AUNO DOMO-System in den Dörfern. Die Lenkungsgruppe hat sich in ihrer Sitzung am 17.01.2018 dazu entschieden, alle acht Dörfer mit in die letzte Phase der Detailplanung und Umsetzung zu nehmen. Grund hierfür sind die sehr individuellen und breit gefächerten Angebote, die in den Dörfern erarbeitet wurden sowie eine sehr engagierte Bürgerschaft.

  1. Detailplanung und Umsetzung:

Seit Dezember 2017 traten die Dörfer in die Detailplanung ein, gaben ihren ausgearbeiteten Plänen den letzten Schliff. Aus den acht Bewerberdörfern entwickelten sich drei Dorfregionen, denen 15 Dörfer angehören. Die Umsetzung der vielfältigen, systemischen Lösungsansätze startete im Sommer 2018 und wird seitdem sukzessive fortgesetzt.

Projektbeteiligte

AUNO DOMO ist das erste merkWATT-eigene Projekt, also von merkWATT ohne Auftraggeber entwickelt. Als innovative Besonderheit erfolgt der Aufbau der „Autonomen Dorfmobilitäten“  als sozialer Prozess von bürgerschaftlichem Engagement mit professioneller Unterstützung durch merkWATT sowie in enger Kooperation mit der jeweiligen Kommune, dem Landkreis Wolfenbüttel und dem Regionalverband Großraum Braunschweig als Träger der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Förderung

Das Projekt AUNO DOMO wird vom Land Niedersachsen über das Zukunftsforum Niedersachsen sowie durch die Stiftung Asse Zukunftsfonds gefördert, außerdem steuert merkWATT einen Eigenanteil bei.

Informationsmaterial
Presse

Veranstaltungshinweise finden Sie auf unserer AUNO DOMO-Facebookseite.

Im Dokumentenbereich finden Sie weitere Downloads zu AUNO DOMO.

Bei Fragen beraten wir Sie gern! Wir freuen uns auf Ihren Kontakt.