AUNO DOMO - Autonome Dorfmobilität

Mobil ohne Auto? Das ist auf dem Lande häufig sehr schwierig, vor allem dort, wo Busse und Bahnen allzu spärlich fahren. Dabei ist klar: Gute Mobilitätsangebote sind ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit von Dörfern. Das Projekt AUNO DOMO will Abhilfe schaffen, indem ausgewählte Dörfer im Landkreis Wolfenbüttel individuelle Lösungen entwickeln und praktisch ausprobieren - mit professioneller Unterstützung durch merkWATT.

Mehr Hintergrundinformationen zum Projekt AUNO DOMO finden Sie untenstehend. Aktuelle Infos gibt es auch auf unserer AUNO DOMO-Facebookseite.

Aktueller Stand

Alle acht am AUNO DOMO-Projekt teilnehmenden Dörfer - Berel, Burgdorf, Evessen, Hohenassel, Leinde, Nordassel, Veltheim (Ohe) und Westerlinde - befinden sich derzeit in der Detailplanungs- und Umsetzungsphase, in der sie seit Dezember 2017 Ideen entwickeln und konzeptionieren.

Im Folgenden erhalten Sie einen kurzen Überblick zum Stand der Dinge und über die geplanten Aktivitäten in den Dörfern:

Gemeinde Burgdorf (mit den Dörfern Berel, Burgdorf, Hohenassel, Nordassel und Westerlinde):

Die Dörfer der Gemeinde Burgdorf arbeiten als Dorfverbund zusammen. Hier treffen sich regelmäßig zwei Arbeitsgruppen: Die AG „Nahe Ziele“ beschäftigt sich mit der Mobilität zwischen den Dörfern der Gemeinde Burgdorf, aber auch zu wichtigen Nachbardörfern. Dabei verfolgt die Arbeitsgruppe vor allem die Etablierung eines Mitfahrbank-Systems und eines Fahrradverleih-Systems für die Gemeinde Burgdorf. Die AG „Burg-Dorf-Bus“ legt ihr Augenmerk auf die Mobilitätsverbesserung durch Nutzung eines Gemeindebuses. Im Juni 2018 wurde der Mobilitätsverein Bumo e.V. (kurz für Burgdorf mobil) gegründet.

  • wiederkehrende Steuerungsgruppensitzungen

Elmrand (mit den Dörfern Evessen, Gilzum, Hachum, Erkerode, Lucklum, Veltheim und Klein Veltheim):

Die beiden AUNO DOMO-Bewerberdörfer Evessen und Veltheim haben sich dazu entschlossen, als "AUNO DOMO Elmrand" gemeinsam für eine verbesserte Mobilität in ihren Dörfern zu arbeiten. Dieser Zusammenschluss bietet sich aufgrund der räumlichen Nähe und der leichteren Umsetzung bestimmter Mobilitätsbausteine, wie z. B. Mitfahrbänke und Fahrzeugteilsystem, an.

Gemeinsam wurde ein umfassendes Mobilitätssystem mit den Bausteinen Carsharing, Mitfahrbänke, Fahrerpool, MobilitätsApp und die Mitnahme von Fahrrädern im ÖPNV entwickelt und im April 2018 der dörferübergreifender Trägerverein Elm-Mobil e.V. (ELMO) gegründet. Die Umsetzung der einzelnen Bausteine dieses Mobilitätssystems erfolgt jetzt Schritt für Schritt.

  • 21.06.2018: AG Teilsystem und Mitfahrbänke
  • 02.09.2018: Dorffest mit Vorstellung des Mobilitätsvereins und Kennenlernen des neuen Mobilitätssystems
  • wiederkehrende Steuerungsgruppensitzungen
  • regelmäßige Treffen des Vorstands von ELMO

Leinde/Cramme:

In der öffentlichen Veranstaltung am 5. Juni entschlossen sich die Leinder gemeinsam mit dem benachbarten Dorf Cramme nachhaltige Mobilitätsprojekte voranzubringen. Dafür ist vorgesehen, ein Mitfahr-System bestehend aus Mitfahrbänken, Mobilitäts-App und freiwilligem Fahrerpool aufzubauen.

  • 11.07.2018: Treffen der AG Mitfahr-System
  • wiederkehrende Steuerungsgruppensitzungen

Geplante Mobilitätselemente

In den AUNO DOMO-Dörfern wurden jeweils individuell zugeschnittene Maßnahmen entwickelt. So ist eine Bandbreite an Maßnahmen entstanden, die zukünftig die Mobilität in den Orten verbessern sollen.

Im Folgenden erhalten Sie einen kurzen Überblick über die geplanten Mobilitätselemente:

Gemeinde- / Dorfbusse

öffentliche, flächenbezogene Kleinbusse, die nicht dem Personenbeförderungsgesetz unterliegen, also keinen Linienverkehr bieten und ohne Gewinnerzielungsabsicht fahren. Stattdessen dienen sie auf vielfältige und flexible Weise dem Gemeinwohl und werden auf diese Weise intensiv ausgelastet:

  • In den Stoßzeiten ergänzen die Gemeindebusse den ÖPNV, verbinden benachbarte Dörfer, bedienen Nahversorgungsziele und binden an wichtige Verknüpfungspunkte an (z. B. Bahnhaltepunkte). Sie bieten Verlässlichkeit im Hinblick auf Ziele und Zeiten – dazu werden in begrenztem Maße bezahlte Kräfte als Fahrer eingesetzt.
  • In den anderen Zeiten stehen die Busse für „Sondereinsätze“ zur Verfügung, für die sie gezielt in Anspruch genommen werden können. Die Inanspruchnahme kann regelmäßig stattfinden (z. B. Beförderung von Kindern zum Konfirmandenunterricht oder „Ausflüge“ zu Wochenmärkten mit Aufenthalt vor Ort), sie kann aber auch einzelfallbezogen sein (z. B. Ausflugsfahrt für eine Geburtstagsgesellschaft oder zu einer Kulturveranstaltung). Diese Form der Nutzung setzt voraus, dass – aus einem aufgebauten Pool – ehrenamtliche Fahrer zur Verfügung stehen.

Letztlich können die Busse auch als „Teilautos“ gebucht und selbst gefahren werden – möglicherweise integriert in einem größeren Pool von unterschiedlichen „Teilfahrzeugen“.

Mitfahrbänke-System

niedrigschwelliges Angebot für Mitnehmverkehre zu nahen Zielen, wie Nachbardörfern oder ÖPNV-/SPNV-Verknüpfungspunkten

Falträder in Bussen und Bahnen

für die „erste und letzte Meile“ bei der Nutzung von ÖPNV und SPNV, können diese gefaltet kostenfrei in Bussen und Bahnen mitgenommen werden. Die Falträder werden zunächst zum Testen auf persönliche Alltagstauglichkeit zur Verfügung gestellt, können dann ggf. auch in einem Verleih-/Teil-Pool aufgenommen werden.

Teilfahrzeuge-System

ein Sharing-System mit Pkw sowie Anhängern (vorwiegend aus privatem Bestand) und einem Fahrrad-Mix bestehend aus E-Bikes, Falträdern und Lastenrädern (von Dritten zur Verfügung gestellt bzw. durch Träger beschafft).

Weitere Mobilitätselemente

Die einzelnen Bausteine werden zunehmend von den Akteuren als sich gegenseitig ergänzend und damit als System gesehen, wobei lokalspezifisch der eine oder andere Ansatz in dem einen oder anderen AUNO DOMO-Dorf (zunächst) nicht zum Tragen kommen wird. Aufgrund dieses System-Verständnisses haben sich einige Dörfer entschlossen, einen neuen Mobilitätsverein zu gründen, der ziviler Träger dieses Systems werden soll.

Von allen Beteiligten wird die Notwendigkeit gesehen, digitale Instrumente als Informations- und Buchungssysteme einzusetzen. Insbesondere für die Nutzung der Mitfahrbänke soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich über eine App als Fahrer wie als Mitfahrer registrieren zu lassen (und damit auch zu einer erhöhten Sicherheit beizutragen), um sich für gemeinsame Fahrten verabreden zu können. In Kooperation mit dem Forschungsvorhaben NEMo ist daher geplant, die derzeit in Entwicklung befindliche Mobilitäts-App ab Sommer 2018 in den AUNO DOMO-Dörfern zu testen.

Ziel

AUNO DOMO verfolgt das Ziel, in Dörfern eine dauerhafte „Mobilität für alle“ aufzubauen. Dazu sollen öffentliche Verkehre mit einem privaten, dorfgemeinschaftlichen Teil-, Mitnehm- und Mitbringsystem kombiniert werden. Genutzt werden dafür bereits vorhandene, jedoch un- oder untergenutzte Fahrzeug-, Beförderungs- und Transportkapazitäten aus öffentlichem, halb öffentlichem wie auch privatem Eigentum – ganz nach dem Prinzip des „Ressourcen-Sharings“.

Ablauf

Das geförderte Projekt AUNO DOMO wird beispielhaft in vier Dörfern bzw. Dorfverbünden des Landkreises Wolfenbüttel durchgeführt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung ist, dass es in den Dörfern bzw. Dorfverbünden interessierte Akteure und einen grundlegenden gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt. Um geeignete Teilnehmer zu finden, wurde ein Wettbewerb durchgeführt. Daran schließt sich eine etwa halbjährige Planungsphase an, in der die Beispieldörfer in einem von merkWATT fachlich wie kommunikativ unterstützten Prozess für das jeweilige Dorf geeignete Mobilitätsstrukturen entwickeln. Diese Maßnahmen werden über ein Jahr hinweg – ebenfalls von merkWATT begleitet – umgesetzt. Danach erfolgt eine Evaluation und Konsolidierung. Insgesamt läuft das Projekt mit den genannten drei Phasen über drei Jahre.

Ablauf des Bewerbungsverfahren
  1. Bewerbungsphase:

Die Bewerbungsphase ist seit Anfang November 2017 abgeschlossen. Alle acht Bewerber - die Dörfer Berel, Burgdorf, Evessen, Hohenassel, Leinde, Nordassel, Veltheim (Ohe) und Westerlinde - treten in die Planungsphase ein.

  1. Planungsphase:

Die AUNO DOMO-Akteure erarbeiteten gemeinsam – mit professioneller Unterstützung durch merkWATT – konkrete Ideen für ihr eigenes AUNO DOMO-System in den Dörfern. Die Lenkungsgruppe hat sich in ihrer Sitzung am 17.01.2018 dazu entschieden, alle acht Dörfer mit in die letzte Phase der Detailplanung und Umsetzung zu nehmen. Grund hierfür sind die sehr individuellen und breit gefächerten Angebote, die in den Dörfern erarbeitet wurden sowie eine sehr engagierte Bürgerschaft.

  1. Detailplanung und Umsetzung:

Seit Dezember 2017 befinden sich die Dörfer in der Umsetzungsphase. Hier geben sie ihren ausgearbeiteten Plänen den letzten Schliff und verwirklichen diese. Aufgrund der vielfältigen Lösungsansätze und dem großen Engagement der Bürger wurde entschieden, dass alle Teilnehmer auch in dieser Phase weiter durch merkWATT unterstützt werden.

Nutzen

Der Nutzen für die Region ist das Vorhandensein einer ressourcenschonenden Mobilität für alle in den beteiligten Dörfern mit der Wirkung von reduziertem Kosten und Aufwänden für Mobilität bei gleichzeitigen sozialen Vorteilen. Außerdem entsteht die Möglichkeit, nach den Erfahrungen im Projekt ähnliche Systeme in weiteren Dörfern deutlich aufwandsärmer und mit reduziertem Risiko des Scheiterns aufzubauen.

In den acht durch einen Wettbewerb ausgewählten Dörfern entsteht Nutzen je nach Entwicklung im Einzelfall vor allem durch

  • dauerhafte zusätzliche Mobilitätsangebote durch bessere Nutzung der ohnehin stattfindenden Verkehre ("Mitbringkultur", "Mitnehmkultur", "Kultur des Teilens")
  • neue Formen von Mobilitätsangeboten im Grenzbereich zwischen ÖPNV und privaten Verkehren
  • U. zusätzliche Einkommensmöglichkeiten am Ort durch bezahlte Dienstleistungen
  • soziale Sicherheit durch ortsspezifische Systeme direkt im Wohnort
  • Rechtssicherheit für alle Beteiligten durch organisatorischen Rahmen (z. B. Versicherungen)
  • Gewinne von Zeit und Geld
  • neue technische Möglichkeiten für Kommunikation (z. B. Apps für Information, Absprachen, ...)
  • Gewinn an Lebensqualität vor Ort (weniger Verkehrslärm und Gefahren)
  • Attraktivitätssteigerung der Dörfer für potenzielle Neubürger

Projektbeteiligte

AUNO DOMO ist das erste merkWATT-eigene Projekt, also von merkWATT ohne Auftraggeber entwickelt. Als innovative Besonderheit erfolgt der Aufbau der „Autonomen Dorfmobilitäten“  als sozialer Prozess von bürgerschaftlichem Engagement mit professioneller Unterstützung durch merkWATT sowie in enger Kooperation mit der jeweiligen Kommune, dem Landkreis Wolfenbüttel und dem Regionalverband Großraum Braunschweig als Träger der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Förderung

Das Projekt AUNO DOMO wird vom Land Niedersachsen über das Zukunftsforum Niedersachsen sowie durch den Asse Zukunftsfonds gefördert, außerdem steuert merkWATT einen Eigenanteil bei.

Im Dokumentenbereich finden Sie alle Informationen zu AUNO DOMO.

Bei Fragen beraten wir Sie gern! Wir freuen uns auf Ihren Kontakt.